Les Colocs

Anfang der 1990er Jahre in Montreal gegründet, positionierte sich die Québecer Band Les Colocs auf der frankophonen Alternativszene, indem sie Rock, Folk, Ska, Reggae und Chanson miteinander verband. Um den Songwriter André „Dédé“ Fortin herum agierten Les Colocs wie ein Kollektiv, in dem Gitarristen, Rhythmusgruppe, Mundharmonika und Bläser zusammenkamen, mit einer Sprache, die im Joual und im städtischen Alltag verwurzelt ist. Das Debütalbum, schlicht „Les Colocs“ (1993) betitelt, etablierte ein Repertoire, in dem festliche Stücke neben düsteren Porträts des Viertellebens stehen. „Atrocetomique“ (1995) schärft die Kontraste zwischen Rockenergie, tanzbaren Rhythmen und sozial engagierten Texten, während „Dehors novembre“ (1998), geprägt vom Tod des Mundharmonikaspielers Patrick Esposito Di Napoli im Jahr 1994, einen ernsteren, introspektiveren Ton annimmt. Les Colocs thematisieren Armut, Ausgrenzung, intime Beziehungen und die québecische Identität offen und direkt, ohne an Zugänglichkeit zu verlieren. Nach dem Tod von Dédé Fortin im Jahr 2000 stellten die Musiker ihre Aktivitäten nach und nach ein und hinterließen eine schlanke Diskografie, die weiterhin Neuauflagen, Tribute auf der Bühne und wissenschaftliche Arbeiten zur Québecer Chanson der 1990er Jahre inspiriert.

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